Wir sind zum Laufen geboren, sitzen aber den ganzen Tag im Büro. Speere und Pfeile der Steinzeit sind längst nicht mehr aktuell. Kann es nicht trotzdem hilfreich sein, auf die Jagd zu gehen? Auf die Jagd nach der eigenen Gesundheit.

Als ambitionierter Nordic Walker bin ich gerade bei Wettkämpfen der letzten Monate so richtig heftig ins Schwitzen gekommen. Während des Laufes mit der richtigen Funktionskleidung sicherlich kein großes Problem und hinterher schnell vergessen. Jetzt lese ich im Artikel „Schaulaufen“ von Jörg Blech dazu etwas sehr interessantes:

Menschen in Deutschland legen pro Tag nur noch einen Kilometer zu Fuß zurück. Untersuchungen an ursprünglich lebenden Jägern und Sammlern zeigen, dass das Marschpensum des Menschen eigentlich bei 10 bis 15 km liegt. Diese Diskrepanz könnte schlecht fürs Gehirn sein. Aus Sicht der Evolutionsmediziner braucht es stets Bewegung, um sämtliche Botenstoffe zu bekommen, die es zum Denken benötigt. Das hat der Entwicklung der Gattung Homo vor ungefähr zwei Millionen Jahren möglicherweise den entscheidenden Kick gegeben: Die Vorfahren wurden zu schlauen Dauerläufern, ausgestattet nicht nur mit schlanken Muskeln und vielen grauen Zellen, sondern auch mit Millionen Schweißdrüsen. Dank dieser körperlichen Veränderungen konnten die Urmenschen bei hohen Temperaturen ausdauernder rennen als ihre Beutetiere. Speere und Pfeile waren damals noch nicht erfunden, doch offenbar ging es auch ohne sie: Die Jäger hetzten etwa Antilopen in der Mittagssonne so lange, bis diese mit bloßen Händen erwürgt werden konnte.

So weit, so gut. Nun ist es ja nicht Neues, dass Bewegung gesund ist und wir uns aber auch seit den Jägern und Sammlern weiterentwickelt haben. So hofft man zumindest. Wie auch bei anderen Themen rund um Körper und Gesundheit schadet es an dieser Stelle jedoch nicht, immer wieder darauf aufmerksam zu machen, dass die Thematik aktuell ist und bleibt. Die Wissenschaft schreitet voran und kann uns immer besser erklären, warum und wie und Bewegung fit hält.

Immer öfter beobachte ich, dass Menschen, die viel oder sogar den ganzen Tag im Büro verbringen, höhenverstellbare Schreibtische haben und sich ab und zu für einige Zeit hinstellen statt -setzen. Wahrscheinlich wäre es besser, man würde sich ein Laufband vor den Tisch stellen – aber wer macht das schon? Ich vermute, darunter leidet die Glaubwürdigkeit im Büroalltag. Andererseits: Business as usual ist ungesund für den Körper, oft auch für den Geist.

Wer täglich eine Einheit Nordic Walking Fitness einlegt, ist also auf dem richtigen Weg. Vielleicht laufen wir uns ja mal über den Weg!

„Schaulaufen“ von Jörg Blech erschien im Magazin Der Spiegel, Ausgabe 32/2015, S. 91 – 97.