Als treuer Leser von Zeitungen und Zeitschriften habe ich mal wieder einen Artikel entdeckt, der den sportlichen Bereich „Extremsport“ betrifft und über den ich gern hier schreiben möchte.

Es geht um den Artikel „An Grenzen gehen“ in der aktuellen Psychologie Heute 09/2016. Da heißt es in der Überschrift: „Sie laufen Ultramarathons, durchqueren zu Fuß die Sahara und klettern auf den Mount Everest: Extremsportler werden bewundert, aber auch skeptisch beäugt. Was treibt diese Menschen an? Und können wir von ihnen etwas lernen?“

So weit, so gut – das klingt interessant.

Erster Gedanke dazu: Wenn Extremsport damit zu tun hat, an die Grenze zu gehen, ist dann nicht auch jeder Freizeitsportler extrem, der sich permanent selbst herausfordert?

Extremsport, ganz gleich welcher Art, scheint sich zu einem Trend entwickelt zu haben. Immer mehr Unternehmen würden Sportler als Redner buchen, die von ihren sportlichen Erfolgen und Trainings auf wirtschaftliche Prozesse schließen oder gar Selbstoptimierungstipps geben. Ist das sinnvoll? Im Text der Psychologie heute werden sechs Maßnahmen aufgeführt, die sowohl persönlich (beruflich) als auch sportlich zu Erfolg führen sollen.

1) Zielstrebigkeit: Auf das Wichtigste fokussieren

2) Motivationskalkül: Etappenziele formulieren

3) Teamfähigkeit: Unterstützung suchen

4) Energiemanagement: Pausen machen

5) Demut: Respekt spüren

6) Resilienz und Frusttoleranz: Nicht aufgeben

Und nun?

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber immer, wenn ich von Extremsport lese, habe ich schon keine Lust mehr auf Sport. Wie soll ich jemals an so ein sportliches Niveau herankommen? Als ob die sechs Schritte aus einer Zeitschrift mich zu einem sportlicheren Menschen machen würden. Und: Gibt es diese Ratgeberlektüre nicht alle paar Tage in irgendeiner Zeitschrift?

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Nordic Walking als Extremsport – geht das?

Ja, die gibt es. Es ist anscheinend chic, sportlich und extrem-sportlich zu sein. Längst gilt „Marathonläufer“ in der Bewerbung als ein positives Attribut, schließlich kann man diesen Menschen psychologische Attribute nachweisen. Das ist kurzsichtig, denn schließlich gibt es bestimmt auch Läufer mit einer geringen Qualifikation für bestimmte Berufe.

Grundsätzlich greift die Psychologie Heute in ihrem Artikel aber interessante Aspekte auf und deswegen schreibe ich darüber.

Dinge wie Teamfähigkeit, Demut und Motivationskalkül tauchen nicht oft auf in der Literatur und sind dennoch essentielle Aspekte eines jeden Sportlers. Na klar, es gibt auch die klassischen Einzelgänger in jeder Sportart und nicht jede eignet sich für ein Team, aber oftmals ist es empfehlenswert, sich einer Gruppe anzuschließen oder gar eine zu gründen.

Als Sportler kennt man die unterschiedlichen Phasen der Motivation: Mal kommt sie aus eigenem Antrieb, mal als Druck von Außen – „Du musst mitlaufen! Tu was für dich!“. Es macht Sinn, sich generelle Gedanken zu Trainings, zu Wettkampfsaisons und persönlichen Meilensteinen zu setzen. So wird man nicht Opfer seiner eigenen Übermotivation, die sich ab und zu mal blicken lässt und bekannt dafür ist, nach ihrem Erscheinen jede Menge Antrieb mitzunehmen.

Ihr seht: Grundlegende Gedanken und To-Do-Listen haben nichts, aber auch gar nichts mit Extremsportlern zu tun, denn sie lassen sich auch auf jeden Hobby-Sportler anwenden. Das Tohuwabohu um Extremsport betrachte ich als Trenderscheinung. Es kann einfach nicht jeder einen Marathon laufen und danach noch einen Berg erklimmen oder mehrere hundert Kilometer schwimmen.

Was macht für euch einen Extremsportler aus?